Schulautonomie Initiative für Schulautonomie Dreigliederung

 

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 impressum 

European Forum for Freedom in Education - effe
Deklaration zum Menschenrecht auf Bildungsfreiheit

Helsinki, am 30. Mai 1991

1. ENTWICKLUNGSSTAND

In Europa lebt eine Tradition der Freiheit im Bildungswesen. Unter Hinweis auf diesen in Europa stark entwickelten Pluralismus im Schulwesen hat das Europäische Parlament in seiner Entschließung zur Freiheit der Erziehung (1984) den Rechtsrahmen der Schulen erweitert: »Entsprechend dem Recht der Eltern ist es deren Sache, über die Auswahl der Schule ihrer Kinder bis zu deren eigener Entscheidungsfähigkeit zu entscheiden. Sache des Staates ist es, die dafür nötigen Einrichtungen öffentlicher oder freier Schulen zu ermöglichen.« Zugleich bekräftigt das Europäische Parlament den Elternrechtsartikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (1948) sowie das Recht eines jeden auf Bildung und auf die Freiheit, Schulen zu eröffnen und zu leiten, verankert im Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (1966). Im Abschlußdokument des Wiener Folgetreffens der KSZE von 1989 wird die Zugangsberechtigung zur Bildung, unabhängig von Rasse, Hautfarbe, Geschlecht. Sprache, Religion, der politischen oder sonstigen Anschauung, der nationalen oder sozialen Herkunft, des Vermögens, der Geburt oder des sonstigen Status, garantiert. Heute stellt der Umbruch in Osteuropa diese Freiheitsentwicklung vor eine historische Herausforderung.

2. ZIELE

Wir wollen das Menschenrecht auf Bildungsfreiheit in den Schullandschaften ganz Europas einbürgern und die verschütteten Selbstgestaltungskräfte im Schulleben fördern. Auch in der Schule gilt das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit; daher darf die Menschenrechtsbewegung nicht vor der Schultür halt machen: Bildungsfreiheit ist Menschenrecht wie Religionsfreiheit, Wissenschaftsfreibeit, Kunstfreiheit und Pressefreiheit.

3. SCHULKULTUR

Wir wollen die Schulen aus bürokratischer Fürsorge und Bevormundung befreien und in den Stand der Kultur setzen. Die Durchsetzung vermeintlich bester Lösungen, einmal durch Experten zentral ermittelt, ist ein Relikt obrigkeitsstaatlichen Denkens aus der Zeit des Absolutismus. Es gibt zu denken, daß diese Vorstellung nirgendwo so maßgebend war wie in den politischen Systemen des Faschismus und Bolschewismus. Heute müssen unterschiedliche Schulkulturen in Freiheit nebeneinander bestehen können, getragen von der persönlichen Initiative einzelner Eltern, Lehrer und Schüler. In ihnen leben die schöpferische Kräften, die Kultur nicht nur pflegen, sondern auch hervorbringen können.

4. SCHULPLURALISMUS

Wir wollen Schulvielfalt als rechts- und chancengleiches Angebot aller lebenskräftigen Schulgestalten, also Mischwald statt Monokultur. Aber Schulpluralismus wird nur möglich erstens durch eine Neufassung der Schulaufsicht, zweitens durch Herstellung rechtlicher und finanzieller Schulchancengleichheit und drittens durch Gewährleistung freier Lehrerbildung. Grundsatz der Schulorganisation soll die Vielfalt der Schularten und Schulträger sein.

5. SCHULFRIEDE

Wir wollen auch im Schulwesen den Weg der Toleranz gehen und einen Verständigungsfrieden stiften zwischen den verschiedenen Schulrichtungen. Die Achtung gegenüber den Andersdenkenden duldet keine ideologische Zwangseinigung. Erst durch die Entwicklung dieser Dialogfähigkeit auf dem Boden eines anerkannten Schulfriedens kann Erziehung zur Toleranz gelingen.

Das EUROPÄISCHE FORUM FÜR FREIHEIT IM BILDUNGSWESEN hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Verwirklichung der Rechte auf Bildung in einem freien und vielfältigen Bildungswesen in den verschiedenen Kulturen Europas zu beobachten, Fortschritte oder Beeinträchtigungen dieser Rechte öffentlich zu machen und regelmäßige Berichte über einzelne Länder zur Entwicklung des freien Bildungswesens in Europa herauszugeben.

Aus: Pädagogische Führung, Zeitschrift für Schulleitung und Schulberatung, Heft 4/91, S. 187